MANHEIM
EIN ORT VERSCHWINDET
YANNICK ROUAULT

Veröffentlicht: 07. Januar 2023

Manheim Ein Dorf verschwindet. Bild: Yannick Rouault. (Datei: esperantostrasse-28-juli-2018_200_2)

Energie wird in Deutschland nach wie vor auch aus Braunkohle gewonnen. Dafür müssen Menschen ihre Heimat verlassen und Dörfer müssen weichen, weil unter ihnen der begehrte Rohstoff liegt. Der Fotograf und Dokumentarfilmer Yannick Rouault begleitet diesen unwirklichen Prozess am Beispiel des Dorfs Manheim nahe dem Tagebau Hambach bei Köln. Seine Fotos und Exponate werfen vielschichtige Fragen über unser Verhältnis zur Energie auf, die mit der Energiewende und dem Klimawandel hochaktuell sind.
Vernissage: Dienstag, 28. Februar 2023. Ausstellung: bis 14. April 2023

Wer aus dem Gebiet des Rheinischen Reviers stammt, für den sind die großen Landschaftswunden des Tagebaus ein gewohntes Bild. In großen Mengen wird hier abgebaut, was seit Mitte des 19. Jahrhunderts zur Wärme- und später zur Elektrizitätserzeugung genutzt wird. Die Braunkohle der Kölner Bucht ist seither einer der wichtigen Energielieferanten für die Region und darüber hinaus. Für den Tagebau allerdings mussten und müssen immer wieder Zugstrecken, Autobahnen und sogar Flussläufe verlegt werden. In der Landschaft entstehen immense Spuren und Wunden. Die Menschen, die auf den Braunkohlevorkommen wohnen, werden umgesiedelt – allein im Rheinischen Revier waren es bisher über 40.000, die ihre Heimat verlassen und eine neue finden mussten. Mehr noch beginnt bereits in der Zeit davor die Verödung ganzer Dörfer und Landstriche. Nur wenige harren bis zum Schluss aus. So entstehen unwirkliche Szenerien, die teils über Jahrzehnte hinweg vom drohenden Abriss, dem Verfall und gleichzeitig dem enormen Mut gegenüber den großen Energiekonzernen erzählen.

Der Münchner Fotograf und Dokumentarfilmer Yannick Rouault blieb bei seinen ersten Fahrten durch das Revier im Jahr 2014 sprachlos zurück. Intuitiv spürte er, dass es hier nicht bloß um den Themenkomplex von Dorfumsiedelungen für den Braunkohleabbau geht, sondern vielerlei Fragen entstehen, deren Beantwortung nicht einfach sein wird. Deshalb entschied er sich für eine Langzeitdokumentation über das Dorf Manheim und die damit verbundenen Begleiterscheinungen. Seither entsteht eine Serie, die weniger eine Vorher-Nachher-Darstellung ist, sondern das Sterben des Dorfs in poetischen und emotionalen Fotografien wiedergibt. Alle Fotografien sind mit analogen Kleinbildkameras und 800-ASA-Filmen entstanden. Die somit erzeugte Grobkörnung durchbricht die technische Perfektion heutiger Fotografien und ermöglicht eine haptisch spürbare Lesart.

Die Ausstellung „Manheim – ein Dorf verschwindet“ zeigt eine Auswahl aus den mittlerweile über 1.000 Fotografien dieser Serie. Die jüngsten Aufnahmen sind erst vor wenigen Wochen entstanden und geben einen aktuellen Einblick in die Szenerie von Manheim. Mit seinen Fotografien öffnet Yannick Rouault zahlreiche Themenfelder, die vor dem Hintergrund des Klimawandels und der aktuellen Transformation des Energiesektors wichtige Fragen aufwerfen. Die Besucher erhalten die Möglichkeit, mit ihren eigenen Fragen und Kommentaren die Ausstellung zu komplettieren.

Das Dorf Kerpen-Manheim liegt etwa 25 Kilometer westlich von Köln. Bereits Ende der 1970er-Jahre wurde festgelegt, dass der Ort in ferner Zukunft dem Tagebau Hambach weichen sollte. Die bergbauliche Inanspruchnahme war für 2022 vorgesehen, die Umsiedlung der rund 1.700 Einwohner begann 2012, erste Abrissarbeiten erfolgten 2016. Internationale Bekanntheit erlangte Manheim durch das nahegelegene Reststück des Hambacher Walds, in dem 2018 die Räumung der WaldbesetzerInnen stattfand. Östlich von Manheim befindet sich außerdem die Kartbahn Erftlandring, auf der die Rennsportkarriere der Brüder Michael und Ralf Schumacher begann.

Die in der Ausstellung gezeigten Bilder können erworben werden.

 

MANHEIM – EIN DORF VERSCHWINDET
YANNICK ROUAULT

Vernissage: Dienstag, 28. Februar 2023, Einlass ab 18 Uhr
Um bei der Ausstellungseröffnung das Abstandhalten zu ermöglichen, wird das Get-together möglichst im Außenraum stattfinden. Die Vernissage erfolgt unter Einhaltung der geltenden Corona-Verordnung der Landesregierung.

Gruppenführung: Termin wird noch bekannt geben

Der digitale Raumplausch: Termin wird noch bekannt gegeben

Lange Nacht der Museen: 25. März 2023, 18 bis 1 Uhr

Ausstellung: bis 14. April 2023

Ort: Die Raumgalerie, Ludwigstraße 73, 70176 Stuttgart
Öffnungszeiten: siehe Seitenleiste oben oder HIER

 

 

Wir danken für die freundliche Unterstützung:

Medienpartner:

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Bild: Yannick Rouault

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