SEMANTIK UND ERZÄHLKRAFT
VON MATERIAL UND FORM
LOHRMANNARCHITEKTEN BDA

Veröffentlicht: 30. Januar 2026

Lohrmann Architekten. Bild: Volker Schrank, Stuttgart.

Bauwerke vermitteln jenseits ihrer Funktion auch eine Bedeutung. Sie manifestiert sich über Typus und Form, besonders aber über die verwendeten Materialien sowie deren Fügung. Diese semantischen Erzählungen sind für das Stuttgarter Büro lohrmannarchitekten wichtige Pfeiler ihrer Arbeit. Ihre Ausstellung in der Raumgalerie zeichnet den komplexen Prozess der Findung einer Gebäudegestalt nach, der Raum, Material, Historie und Wandel einbezieht. Die Ausstellung wurde bereits 2025 bei der Architekturbiennale in Venedig im Palazzo Mora gezeigt und ist nun für die Raumgalerie weiterentwickelt worden.
Vernissage: Mittwoch, 25. Februar 2026. Ausstellung: bis 18. April 2026

In der Linguistik bezeichnet Semantik die Lehre von der Bedeutung. Überträgt man dies auf die Architektur, stellen sich diverse Fragen, etwa „Was sagt uns die Sichtbetonwand?“ oder „Welche Bedeutung hat die Fuge, die genau an dieser Stelle und auf diese Art zwei Materialien voneinander trennt?“. Beim Entwerfen müssen ArchitektInnen unzählige Entscheidungen treffen, die das Aussehen eines Gebäudes maßgeblich beeinflussen. Die Semantik von Architektur ist eine Möglichkeit, die Aura eines Bauwerks genau zu bestimmen. Hinzu kommt die Erzählkraft auf emotionaler Ebene. Die Wahl der Oberflächen, ihre Haptik, das Licht, die Form und die Topografie führen einen Dialog mit ihrer Umgebung. Diese kontextuelle Narration ist es, die ein Gebäude zu einem Bauwerk für die Menschen macht. Die Architekturen von lohrmannarchitekten sind deshalb oft nicht laut, sprechen dafür aber bestimmter, präziser Stimme. Sie sind reduziert, um die Essenz des Bauens freizulegen – eine Haltung, die in einer immer komplexeren Welt eine beruhigende Beständigkeit ausstrahlt.

Die Ausstellung „Semantik und Erzählkraft von Semantik und Form“ lädt dazu ein, Architektur als eine Sprache zu verstehen, die über das rein Funktionale hinausgeht. Zu sehen sind drei Bauwerke aus der Feder von lohrmannarchitekten in teils großformatigen Bildern, zusammen mit den jeweils dort verbauten, echten Materialien. So wird das Zusammenspiel haptisch greifbar und begreifbar. Bei einem der Projekte wird der konkrete Inspirationsprozess nachgezeichnet, indem Skizzen und Fotos den Weg von der ersten Idee bis zum fertigen Bauwerk zeigen. Filme geben einen visuellen sowie akustischen Einblick in die Atmosphäre der Orte. Die Semantik und die Erzählkraft der Bauwerke werden so auf verschiedenen Ebenen direkt erlebbar. In einem Dialogbuch können die Besuchenden ihre persönlichen Erlebnisse einer semantischen und narrativen Architektur notieren.

lohrmannarchitekten wurde im Jahr 2001 von dem Architekten Holger Lohrmann in Stuttgart gegründet, der das Büro heute zusammen mit Stefanie Larson leitet. Wichtige Parameter der Arbeit des Architekturbüros sind typologische Regeln, Ornamentik und die sinnliche Materialität sowie deren handwerkliche Bearbeitung und Fügung, um aus komplexen Zusammenhängen sinnliche Orte mit assoziativer, positiver Aura zu generieren. Es geht im Grunde also um ureigene Themen der Architektur, die in vergangenen Jahrzehnten teilweise verloren gegangen sind. Im intensiven Dialog mit der Bauherrenschaft entstehen handwerkliche Unikate, die individuell auf den jeweiligen Ort abgestimmt sind und im Zusammenspiel mit dem Umfeld eine neue, durchdachte Atmosphäre schaffen.

Holger Lohrmann studierte Architektur in Stuttgart und London, unter anderem bei David Chipperfield und Peter Cheret, und arbeitete auch im Büro von David Chipperfield Architects in London. Prägend war für ihn außerdem die Teilnahme an einer der bekannten Sommerakademien „Seminario internazionale di progettazione“ in Monte Carasso von Luigi Snozzi, Alvaro Siza und Eduardo Soto de Moura teil. An der Stuttgart Universität lehrte er am Institut für Wohnen und Entwerfen bei Thomas Jocher sowie am Institut für öffentliche Bauten bei Arno Lederer.

Stefanie Larson stieg in die Geschäftsführung bei lohrmannarchitekten im Jahr 2010 ein. Sie studierte zuvor internationale Wirtschaft in Angers/FR sowie Psychologie und Linguistik in Tübingen und Stuttgart und war bei Totems Communication & Architecture Managing Partner. Sie lehrt im Themenbereich der Film- und Kreativwirtschaft an unterschiedlichen Hochschulen in Deutschland, ist zudem Mitglied des Advisory Board im Stuttgarter FMX (Film Media Exchange) sowie Vorsitzende des Hochschulrats der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart.

 

SEMANTIK UND ERZÄHLKRAFT
VOM MATERIAL UND FORM
LOHRMANNARCHITEKTEN BDA

Vernissage: Mittwoch, 25. Februar 2026, Einlass 18:30 Uhr

Lange Nacht der Museen: 21. März 2026, 18 bis 1 Uhr

Ausstellung: bis 18. April 2026

 

 

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