OSTSEE-RÄUME

Veröffentlicht: 19. Juli 2013

Zum Artikel. Foto: Thomas Geuder

Hin und wieder braucht der Mensch Entspannung vom Alltag – wofür er am besten wegfährt. Deswegen hat sich der Raumjournalist einmal an die schöne Ostsee begeben, um dort (wiederum) nach spannenden Räumen zu suchen. Fündig ist er unter anderem im Rostocker Zoo geworden, wo vor Kurzem das „Darwineum“ eröffnet hat, dessen Ausstellung von Atelier Brückner aus Stuttgart gestaltet wurde. Mit einer großen Bildergalerie.

Ohne Zweifel ist die Ostseeküste ein Paradies für die Freunde des Wassers und der Natur. Aber auch geschichtlich, kulturell und architektonisch ist dort einiges geboten. Der Raumjournalist hat sich zwischen Stralsund und Wismar einmal die Museen und andere räumliche Highlights entlang der Küste angeschaut.

Höhepunkt Nummer 1 ist ohne Zweifel das seit Ende letzten Jahres geöffnete „Darwineum“ im Rostocker Zoo, das Zoo und Museum zugleich ist und auf 20.000 Quadratmetern Wissenschaft, Abenteuer und Umweltbildung miteinander verbindet. Die von Atelier Brückner aus Stuttgart gestaltete Dauerausstellung entführt den Besucher – ausgehend von Darwins Evolutionstheorie – auf eine Reise durch die Jahrmillionen der Erdgeschichte. Der abwechslungsreiche, interaktiv inszenierte Parcours veranschaulicht die Evolution des Lebens sowie die kulturelle Evolution des Menschen. Beiden Themen ist ein eigener Ausstellungsbereich gewidmet. Eingebettet dazwischen liegt eine großzügige Tropenhalle – das neue, attraktive Zuhause der Menschenaffen des Rostocker Zoos. Die Evolution des Lebens wird in acht radial angeordneten Kabinetten rund um den Inszenierungskern „Urzelle“ vorgestellt. Sie bieten einen chronologischen Zugang zu den Erdzeitaltern. Schritt für Schritt führen sie die biologische Evolution mittels rekonstruierender Dioramen, medialer Inszenierungen und lebendiger Bilder vor Augen: Aquarien, Paludarien und Terrarien nehmen Tiere auf, die Merkmale ihrer Urvorfahren aufweisen oder entsprechende Evolutionsstufen demonstrieren – bis hin zu den Säugern. Die kulturelle Evolution, beginnend mit der Nutzung der ersten Werkzeuge durch den Menschen, rundet den Parcours ab. Raumbildender Ausdruck ist hier ein Stangenwald, der sich zunehmend lichtet und eine klare Struktur annimmt. Er führt den Besucher zu einem mit Aquarien und Modellen bestückten Stammzellenlabor, das die aktuelle Genforschung reflektiert.

Höhepunkt Nummer 2 – und dem Darwineum dicht auf den Fersen – ist das „Ozeaneum“ in Stralsund, das bereits 2008 eröffnet wurde und 2012 bereits seinen dreimillionsten Besucher begrüßen durfte. Entworfen wurde das Gebäude von Behnisch Architekten aus Stuttgart, die einen Gebäudekomplex aus vier Baukörpern gestalteten, nach den vier Themen des Ausstellungskonzepts: 1) Ausstellungen Weltmeer (die Vielfalt des Lebens, sie Ostsee und Erforschung und Nutzung der Meere), 2) Ostseeaquarium, 3) Nordseeaquarium (mit 2,6 Mio.-Liter-Becken „Offener Atlantik“, Tunnelaquarium, Nordpolaraquarium, Ausstellung für Kinder und Dachterrasse mit Pinguinanlage) und 4) Ausstellung 1:1 Riesen der Meere. Das Ozeaneum ist ein offenes Haus, dessen Räume – ähnlich vom Wasser umspülter Steine im Meer – von allen Seiten von Besuchern und Licht durchströmt werden. Die Form der einzelnen Baukörper entsteht aus den inneren funktionalen Anforderungen des Hauses. Frei geschwungene Bänder umspielen die Fassaden der Ausstellungs- und Aquarienkörper wie vom Wind geblähte Segel. Von der eigentlichen Baumasse unabhängig, wirken die Bänder mit ihren auskragenden Rändern leicht und elegant. Die Bänder verbinden die unterschiedlichen Funktionen der einzelnen Baukörper gestalterisch. Für die Freiflächen des Ozeaneums wurde das auf der Hafeninsel traditionell verwendete Granitpflaster verwendet. Der Belag zieht sich durch die gesamte Grundstücksfläche sowie das Foyer und löst so die Grenzen zwischen Außen- und Innenraum auf.

Gesehen der Raumjournalist noch viel anderes absolut Sehenswertes, wie das „Max Hünten Haus“ in Zingst, das vor allem der Fans der Fotowelt bekannt sein dürfte: Das Medien- und Informationszentrum beschäftigt sich mit der Leidenschaft der Fotografie in all seinen Facetten. Gezeigt werden Ausstellungen und Vorträge, und man kann Fotografie-Kurse belegen, in denen die Grundlagen der Fotografie und der Bildbearbeitung erlernt werden. In Warnemünde nördlich der Hansestadt Rostock hat sich der Raumjournalist das Hotel Neptun anschaut, ein ehemaliges Funktionärshotel, das nun als Spa/Hotel/Restaurant allen Gästen offen steht, die Entspannung und Wohnfühlen direkt am Meer suchen. Im Phantechnikum in der Hansestadt Wismar sind ebenfalls seit Kurzem die Besucher eingeladen, in die Welt der Technikgeschichte Mecklenburg-Vorpommerns einzutauchen. Dazu wurde eine alte Militärkaserne teileweise von dem Architekten Joachim Brenncke umgebaut. Wismar an sich ist sowieso eine Reise wert: Marienkirchturm (unbedingt von innen anschauen!) und viele andere kirchliche wie weltliche Sehenswürdigkeiten, die sich bequem per Stadtführung besichtigen lassen, bereichern den Aufenthalt an der Ostsee. Architektonisch interessant wird es auch in der Jugendherberge Beckerwitz mit ihrem „design|Baumhausdorf Grüne Wiek“, in dem man seit Anfang 2012 in sechs bienenwabenförmigen Holzhäusern übernachten kann.

Mehr Infos zu allen Raumzielen beim Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern.

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