KEIN WEG OHNE HOLZ

Veröffentlicht: 30. Januar 2012

Mal ganz ehrlich: Wir Architekten lieben alles Formbare, denn das kann man sich beim Erdenken neuer Gebäude sozusagen Untertan machen. Vielleicht ist dies sogar einer der Hauptgründe, warum wir – im Gegensatz zum gefühlten Rest der Welt – den Baustoff Beton so mögen. Was haben Architekten mit dem Beton in den letzten gut hundert Jahren nicht schon alles angestellt! Ein Stein, der sich in jede beliebige Form gießen lässt – wie wunderbar!

Doch während Architekten beim Thema Beton ihre Lobhymnen singen, beschleicht sie gleichzeitig eine Art ungutes Gefühl, das sie im Grunde auch gar nicht wahrhaben wollen: Beton wird oft auch als irgendwie kalt, grau, hart wahrgenommen und trägt nicht wirklich immer dazu bei, Wohlfühlatmosphäe zu erzeugen. „Gibt es da nicht andere Materialien, die sich für unser Haus besser eigenen, die irgendwie freundlicher sind, näher am Mensch?“ Eine Frage, die jedem Architekten bekannt sein dürfte. Schnell wird klar: Die Sehnsucht nach natürlichen Materialien war schon immer groß und wächst seit einigen Jahren vor dem Hintergrund der aktuellen Green-Diskussionen sogar noch weiter.

Augenfällig war dies zum Beispiel auf der Messe Domotex, die Mitte Januar in Hannover stattfand. Bodenbeläge aus natürlichen Materialien wie Holz, aber auch Linoleum und Co. stehen hoch im Kurs wie nie. Holzböden gibt es mittlerweile in unzähligen Variationen und Qualitäten. Neben den Standard-Maßen und -ausführungen überraschte da zum Beispiel ein Produkt namens „Bolefloor“, ein industriell gefertigter Dielenfußboden, dessen geschwungene Dielenform dem natürlichen Wuchs des Baumes folgt, wodurch beim Scheiden der Dielen zirka 20 Prozent weniger Verschnitt anfällt. Durch diesen Trick entsteht im Raum eine noch natürlichere Atmosphäre als bei gerade geschnittenen Dielenböden. Im Verlegevideo auf der Homepage deutlich erkennbar: Alle Dielen sind einzeln gefertigt und werden nach einem Verlegeplan eingebracht. Das sorgt für höchste Individualität im Raum, ohne aufdringlich zu sein.

     

Doch nicht nur die Individualität spielt eine immer größere Rolle am Boden. Ähnlich wie bei der Nahrung wollen die Benutzer auch bei der Wahl des Materials wissen, woher es eigentlich kommt. Denn nicht immer ist wirklich nachvollziehbar, woher die verwendeten Hölzer eigentlich kommen. Niemand will zu Gunsten seines Fußbodens verantwortlich für die Abholzung des Regenwaldes sein. So sagen mittlerweile Firmen wie Kährs dem Handel mit Tropenholz ganz ab, um eine nachhaltige und verantwortungsvolle Forstwirtschaft zu fördern. Kährs will nur noch Zulieferer beauftragen, die ein Zertifikat gemäß FSC (Forest Stewardship Coucil) oder PEFC (Program for the Endorsement of Forest Certification) vorlegen und nachweisen können.

Einen Schritt in den direkten Austausch mit dem Nutzer will der Parkett-Spezialist Margaritelli (Listone Giordano) in Zukunft machen. Seit langem macht sich die italienische Firma im umweltgerechten Umgang mit den Rohmaterialien stark. Um diesen Ansatz jedoch noch weiter auszubauen, wurde nun die Website www.thisismyforest.org kreiert, mit der Margaritelli einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz leisten möchte, indem der Blick für die Herkunft der Hölzer geschärft werden soll. Die Plattform existiert erst seit Kurzem und momentan auch noch nur in italienischer Sprache, soll aber (laut Auskunft) im Laufe des Frühlings auch auf Englisch zur Verfügung stehen. Der Raumjournalist dieses Wald-Netzwerk verfolgen.

Doch nicht nur am Boden ist Holz ein beliebter Baustoff. Auch für das Bauen in Holz entscheiden sich immer mehr Bauherren. Die Vorteile der Holzbauweise liegen auf der Hand: Holz ist ein innovativer sowie ein gestalterisch und ökologisch überzeugender Werkstoff. Wer sich ein Bild machen möchte, was schon heute mit Holz verwirklicht werden kann, dem sei das Architektenforum holzhochdrei³ empfohlen, das am Donnerstag, den 2. Februar 2012 im International Congresscenter der Messe Stuttgart stattfindet. Veranstaltet dieser Fachkongress zum zweiten Mal von der GHM Gesellschaft für Handwerksmessen mbH, die inhaltliche und konzeptionelle Umsetzung wird von der allseits bekannten Architektur-Online-Plattform BauNetz organisiert. Christian Roedel von der Internationalen Bauausstellung IBA in Hamburg, Volker Halbach von blauraum architekten in Hamburg, Fabian Scheurer von designtoproduction in Zürich, Jan Theissen von AMUNT in Aachen/Stuttgart und Prof. Achim Menges aus Stuttgart werden über die vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten dem Baustoffes Holz berichten. Die Moderation wird von Katharina Matzig, freie Journalistin aus München, geführt. Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung ist erwünscht.

1 Kommentar zu “KEIN WEG OHNE HOLZ”

  1. thanks for share!

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